In welchen Schritten wird der WLTP eingeführt?

Seit dem 1. September 2017 kann eine Typgenehmigung für neue Pkw-Typen in Europa nur noch erfolgen, wenn die Ergebnisse gültiger CO2-Messungen nach dem neuen Testverfahren WLTP vorliegen. Bereits ein Jahr später, zum 1. September 2018, müssen zertifizierte WLTP-Messungen für alle neu zugelassenen Pkw vorliegen. Für größere leichte Nutzfahrzeuge gilt die Regelung jeweils ein Jahr später. Mit der zeitnahen Einführung von WLTP nach seiner Ratifizierung durch das zuständige UN-Gremium übernimmt die Europäische Union international eine Vorreiterrolle. Auch in anderen Weltregionen wird das Testverfahren, teilweise in modifizierter Form, etabliert.

Für die beteiligten Prüforganisationen, die verantwortlichen Behörden und die Unternehmen der Automobilindustrie stellt die schnelle Einführung des WLTP eine anspruchsvolle Zielsetzung dar. Zum einen durften die amtlichen Zertifikate über die Erfüllung der Zulassungsvoraussetzungen erst ausgestellt werden, nachdem die EU-Richtlinie durch Publikation in Kraft getreten war – dieser formale Rechtsakt erfolgte erst am 27. Juli 2017. Zum anderen bestehen höhere Anforderungen an die Testdurchführung, die Ergebnisauswertung und ihre Dokumentation. Auch ist der Aufwand für jede einzelne Prüfung nach dem WLTP-Verfahren deutlich höher als bislang: Nicht nur, weil der neue Prüfzyklus selbst 50 Prozent länger dauert, sondern vor allem weil mehrere Varianten eines Fahrzeugs getestet werden müssen. Dadurch muss bereits im Vorfeld der eigentlichen Labortests für zahlreiche einzelne Sonderausstattungen, Räder und Reifen ihr Einfluss auf die CO2-Emissionen separat ermittelt und von den technischen Diensten, welche die Messungen begleiten, testiert werden. Experten sprechen von einem etwa doppelt so hohen Aufwand für die Ermittlung der Kraftstoff-Verbrauchswerte.

Keine Ausnahmen vorgesehen

Bereits ein Jahr später, zum 1. September 2018, müssen zertifizierte WLTP-Messungen für alle neu zugelassenen Pkw vorliegen. Dafür wird natürlich nicht jedes produzierte Fahrzeug getestet, sondern einzelne Pkw beispielhaft für den Fahrzeugtypen auf den Prüfstand gestellt. Liegen die Werte einmal vor, garantiert der Hersteller mit einer Konformitätserklärung (dem „Certificate of Conformity“, auf Gesetzesdeutsch: „Übereinstimmungsbescheinigung“), dass neu produzierte Fahrzeuge dem im Zulassungsverfahren geprüften Typus technisch entsprechen. Dieses Zertifikat ist die Voraussetzung dafür, dass die Behörden einen Fahrzeugbrief (auf Gesetzesdeutsch: Zulassungsbescheinigung Teil II) ausstellen, mit dem der Besitzer das Fahrzeug später zulassen kann. Die europäische Richtlinie sieht keine Ausnahmen vor – auch Pkw-Modelle, die nur in kleinen Stückzahlen produziert werden, müssen die gesamte WLTP-Prozedur durchlaufen. Für größere leichte Nutzfahrzeuge, die technisch oft auf Pkw-Modellen basieren, gelten jeweils um ein Jahr verschobene Stichtage.

Die Europäische Union hat international die Vorreiterrolle übernommen, um das neue Testverfahren, das von einem Gremium der Vereinten Nationen erarbeitet wurde, vollständig in geltendes Recht umzusetzen. Indien, Japan und Südkorea werden voraussichtlich in den nächsten Jahren mit der Einführung von WLTP folgen, Japan wird dabei wahrscheinlich aufgrund der örtlichen Straßenverhältnisse auf den Hochgeschwindigkeitsteil des neuen Fahrzyklus verzichten. In China – dem größten Pkw-Markt der Welt – wird derzeit über ein modifiziertes WLTP-Verfahren diskutiert. Auch wenn die USA zu Beginn in die Entwicklung des WLTP einbezogen waren, ist derzeit nicht zu erkennen, ob der neue Testzyklus dort in nationales Recht überführt wird.

Der Fahrplan bis zur vollständigen WLTP-Einführung