„Die Transformation birgt eine große Chance.“

Eine Branche im Umbruch und mit großen Herausforderungen, aber ebenso großen Chancen – so lautet ein Fazit der Veranstaltung „Mobilität von morgen“, bei der Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und Oliver Blume, Vorstandsvorsitzender der Porsche AG, aufeinandertrafen. Der VDA hatte in seine Berliner Zentrale geladen, zum insgesamt neunten Mal. Und die Diskussion zwischen Blume und Scheuer war intensiv. Im Mittelpunkt der Debatte: Wann beginnt die emissionsfreie Zukunft? Und was kann Elektromobilität eigentlich wirklich?

Gleich zu Beginn stellte Oliver Blume klar: Die Automobilbranche durchläuft große Veränderungen, alte Gewohnheiten gelten nicht mehr. „Wenn man Mut hat, dann birgt die anstehende Transformation eine große Chance für uns.“ Für Porsche bedeutet das unter anderem, dass das Unternehmen künftig keine Dieselmotoren mehr in seinen Fahrzeugen verbauen wird. Eine Folge der jüngsten Dieselskandale? Keineswegs. Nicht „aus Verdruss“ über die Fehler der Vergangenheit verzichtet das Unternehmen auf diese Technologie, sondern als eine „gezielte strategische Entscheidung“. Man wolle den Markenkern schärfen.

Der Porsche-Chef sieht sein Unternehmen vor zwei maßgeblichen Herausforderungen: So befände sich die Automobilindustrie zum einen in einem Wandel, der die gesamte Branche in den kommenden fünf bis zehn Jahren stärker verändern werde als in den vergangenen 50 Jahren. Zum anderen drängen neue Wettbewerber mit neuen Geschäftsmodellen auf den Markt.

Mobilitätsdienstleistung als Geschäftsmodell

„Die zentrale Frage ist, wie sich das Nutzerverhalten künftig ändern wird“, sagte Blume. Mit der zunehmenden Urbanisierung beispielsweise werde das eigene Auto für immer mehr Menschen unwichtiger. Was also tun? Porsche erprobt derzeit in San Francisco ein Konzept, bei dem Autobesitzer ihre Wagen privat zur Leihe anbieten, wie Blume erklärte. Jenseits des reinen Autoverkaufes entwickele sich auf diese Weise die Bereitstellung von Mobilitätsdienstleistungen zu einem immer wichtigeren Geschäftsfeld.

Dass über innovative Mobilitätslösungen gegenwärtig zu selten gesprochen wird, liegt nach Ansicht von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer vor allem an der anhaltenden Diskussion über den Diesel. Der CSU-Politiker nahm in seinem Beitrag die Branche in die Pflicht. Die Automobilindustrie sei „die Leitindustrie Deutschlands“, sagte Scheuer, und trage wesentlich zum Wohlstand des Landes bei. Die Fehler der Vergangenheit jedoch hätten zur Folge, so der Minister, dass „über die Mobilität von morgen nicht ausreichend gesprochen werden kann.“ Scheuer konstatierte einen „riesigen Nachholbedarf“ der Autohersteller, verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen. Ein Vertrauensverlust, der auch für die politischen Entscheider der Bundesregierung gelte. Das hätten zuletzt die Ergebnisse der Landtagswahlen in Hessen und Bayern gezeigt, bei denen sowohl Union als auch SPD schwere Stimmenverluste hinnehmen mussten.

Scheuer sieht Branche in der Pflicht

„Verlässlichkeit, Seriosität und Zuverlässigkeit – das ist der Markenkern von ‚Made in Germany‘. Und dahin müssen wir wieder zurückkehren“, appellierte Scheuer an die Branche: „Wir brauchen ein passgenaues Angebot für alle Bürger.“ Ein ausschließlicher Ausbau der Elektromobilität sei nicht hilfreich, sagte Scheuer. Gleichwohl räumte er ein, dass die Koordination der unterschiedlichen Fördermaßnahmen in der Vergangenheit nicht immer ideal gewesen sei.

Was für Folgen eine gut ausgebaute öffentliche Infrastruktur im Bereich der Elektromobilität indes haben kann, machte Porsche-Chef Blume am Beispiel Norwegens deutlich. So habe das Unternehmen für den batterieelektrisch betriebenen „Taycan“ derzeit rund 2.500 Vorbestellungen aus Norwegen vorliegen. „Das ist ein Land, in das wir sonst jährlich vielleicht 600 Autos verkaufen“, sagte Blume.

Porsche: Elektromobilität gehört die Zukunft

„Elektromobilität ist für uns bei Porsche die Technologie der Zukunft“, sagte Blume. Mit einer Summe von rund sechs Milliarden Euro für Forschung, Entwicklung und Produktion in den nächsten Jahren investiert das Unternehmen große Beträge in die Elektromobilität. Dazu gehöre auch, dass die Belegschaft auf einen Teil der Tariferhöhungen verzichte – „ein meines Wissens einmaliger Schritt in der Branche“, so Blume. Bei Porsche bringt der Wandel zum elektrischen Antrieb keinen Abbau von Arbeitsplätzen. Im Gegenteil: Für die Produktion des Taycan stellt Porsche 1.500 Mitarbeiter neu ein.

Innovative Technologien in Deutschland zu verankern – esdürfte auch im Sinne von Minister Scheuer sein. Schließlich stamme weltweit jedes dritte Patent im Bereich der Elektromobilität aus Deutschland, so Scheuer.

Mit anderen Worten: Die Herausforderungen sind groß – die Chancen sind es auch.

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