„Veränderungen sind keine Bedrohung, sondern eine Chance“

Zum Auftakt der Initiative „Mobilität von morgen“ stellte Dr. Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG und Leiter Mercedes-Benz Cars, seine Vision für die mobile Zukunft vor.

Ob Digitalisierung, neue Mobilitätsdienste oder die Entwicklung neuer Antriebe – die Automobilindustrie steckt weltweit in einem großen Umbruch. Wie werden wir uns in Zukunft fortbewegen? Mit welchen Innovationen kann die Branche den aktuellen und kommenden Herausforderungen begegnen? Auf diese und weitere Fragen möchte die Initiative „Mobilität von morgen“ Antworten finden aus Perspektive der Hersteller und Zulieferer in Deutschland.

„Mit der Initiative wollen wir Zukunftsthemen beleuchten, aber auch die Kontroversen drum herum. Wir wissen, dass wir Vertrauen zurückgewinnen müssen.“ Mit diesen offenen Worten begrüßte Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), die rund 50 geladenen Gäste zur Auftaktveranstaltung am 6. Oktober in Berlin.

Dr. Dieter Zetsche brachte die aktuellen Umwälzungen in seinem anschließenden Impulsvortrag klar auf den Punkt: „Die Initiative ist wichtig, denn die deutsche Automobilindustrie wird sich in den nächsten zehn Jahren stärker verändern als in den gesamten vergangenen 100 Jahren“.

Wandel vom Produkt zur Plattform

Zetsche gab konkrete Einblicke in seine Vision einer Mobilität der Zukunft, bei der sich das Fahrzeug grundlegend wandeln wird – vom Produkt hin zu einer ultimativen Plattform. Diese basiere auf vier Säulen: Connectivity, also der umfassenden Vernetzung, dem autonomen Fahren, Shared Mobility sowie der Elektromobilität. „Jeder einzelne dieser Bereiche hat das Zeug, die Branche umzukrempeln. Das volle Potenzial entfalten wir aber erst durch ihre Verknüpfung.“ Genau dies sei Kern der neuen Unternehmensstrategie. Man sehe in den Veränderungen keine Bedrohung, sondern eine Chance, auch für die Mitarbeiter der Branche mit ihrem Know-how. „Wir entwickeln ‚bottom-up‘ eine neue Unternehmenskultur, die unsere Zukunftsfähigkeit sicherstellt.“

Quelle: VDA

Im Gespräch mit Holger Appel, Leiter Technik und Motor der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, machte Zetsche anhand von Beispielen und Zahlen deutlich, wo Daimler auf dem Weg zur Mobilität von morgen aktuell steht – und wohin es noch gehen soll. Ein halbe Milliarde Euro will das Unternehmen demnach bis 2020 in vernetzte Systeme investieren, eine Milliarde Euro in den Ausbau der eigenen Batterieproduktion. Er gehe davon aus, dass im Jahr 2025 bis zu ein Viertel der neu zugelassenen Fahrzeuge einen elektrischen Antrieb besitzen werden. Ab 2020 möchte Daimler den Kunden zudem die ersten hochautomatisierten Fahrzeuge anbieten.

Investitionen in Hirne und Hardware

Im anschließenden Austausch mit den Gästen wurde deutlich, welche Voraussetzungen für die Mobilität von morgen nötig sind, sowohl in der Automobilindustrie als auch auf Seiten der Politik. Zum Beispiel müssten Elektrofahrzeuge laut Zetsche künftig schlicht attraktiver, sprich konkurrenzfähiger werden in Preis und Reichweite, um die Kunden zu überzeugen. Auch den Unternehmen stünden entscheidende Veränderungen bevor. „Wir müssen in Sachen Innovation noch stärker an Geschwindigkeit aufnehmen“, sagte er im Hinblick auf die potenzielle Konkurrenz agiler Tech-Firmen aus dem Silicon Valley. „Wir müssen dafür massiv in die digitale Infrastruktur investieren: In Hirne und Hardware.“ Es sei aber auch die Politik gefordert, die nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen, sei es beim Ausbau der Ladeinfrastruktur, dem Umgang mit sensiblen Fahrzeugdaten oder Haftungsfragen beim autonomen Fahren.

 

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