„Wir müssen den Mut der Startups respektieren“

Wie können Autohersteller und Startups am besten zusammenarbeiten und Innovation vorantreiben? Dass es ganz unterschiedliche Möglichkeiten dafür gibt, zeigten sie auf einer gemeinsamen Veranstaltung in Berlin.

Immer wieder wird der Stereotyp bemüht: Hier die konservative, träge Autoindustrie, dort progressive und agile Mobilitäts-Startups. Die einen halten an Technologie von gestern fest, die anderen definieren bereits die Mobilität von morgen. Dass Startups und Autoindustrie längst intensiv zusammenarbeiten, zeigte die Veranstaltung „Mobilität der Zukunft“ am 09. März 2017 in Berlin, die der Verband der Automobilindustrie gemeinsam mit dem Bundesverband Deutsche Startups (BDS) e.V. in Berlin ausrichtete.

Auf dem Podium saßen neben VDA-Geschäftsführer Dr. Kay Lindemann auch Tom Kirschbaum, Vorstandsmitglied des BDS, der mit door2door selbst ein Mobilitäts-Startup gegründet hat und Jörg Rocholl, der das Thema aus seiner Sicht als Präsident der Management-Hochschule ESMT Berlin beobachtet. „Startups und Industrie stehen vor derselben Herausforderung: intelligente Lösungen für die künftigen Bedürfnisse der Menschen zu finden. Lösungen dafür können wir nur gemeinsam entwickeln“, sagte Lindemann.

Aus Sicht von Kirschbaum, der mit door2door besser vernetzte und per künstlicher Intelligenz optimierte Mobilität in Städten anbieten will, geht es einerseits darum, dass etablierte Unternehmen und Startups viel voneinander lernen können. Noch wichtiger ist ihm zufolge aber, dass die smarte Nutzung von Daten nicht grundsätzlich unter den Generalverdacht des Datenmissbrauchs gestellt werden darf. „Wenn wir weniger verstopfte Innenstädte und gleichzeitig bessere und innovativere Mobilität wollen, müssen wir einzelne, sehr genau definierte Daten freigeben“, sagte Kirschbaum. Jörg Rocholl zeigte sich überzeugt davon, dass Autos zwar künftig anders genutzt werden, ihre Bedeutung aber nicht grundsätzlich kleiner werde, wie manche behaupteten.

Wie konkret die Zusammenarbeit von Startups und Industrie tatsächlich bereits ist, zeigten die anschließenden Beiträge von jungen Unternehmern und von Vertretern der Autohersteller. Gregor Gimmy etwa stellte die „BMW Startup Garage“ vor, mit der der bayerische Konzern nachhaltig Startups fördern und deren Technologie in die eigenen Produkte integrieren will. Allerdings, ohne in diese zu investieren. Stattdessen will BMW im Rahmen der Startup Garage lieber die Produkte der Unternehmen kaufen: „Es ist aus unserer Sicht viel sinnvoller für beide Seiten, zahlender Kunde eines Startups zu werden als Anteile zu erwerben“, sagte Gimmy.

Quelle: VDA

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Einen ganz anderen Ansatz verfolgt Daimler mit seiner „Startup Autobahn“: Unter diesem Namen hat der Autobauer ein Accelerator-Programm ins Leben gerufen, das Startups dabei helfen soll, aus Ideen möglichst schnell Prototypen zu machen. Daimler stellt den Startups dazu ein Hardware-Labor in Stuttgart zur Verfügung. Zudem schickt der Konzern die jungen Unternehmen ins Silicon Valley und unterstützt sie in Zusammenarbeit mit dem Innovationsnetzwerk „Plug and Play“ auch dabei, möglichst schnell ein Produkt zu erstellen, das reif für den Markt ist.

Ein Beispiel für eine Kooperation, die sich bereits erfolgreich in der Praxis bewährt hat,  stellten door2door und Audi vor: Die beiden Unternehmen hatten während der Berlinale 2017 das „allygator shuttle“ angeboten. Der Service brachte Besucher kostenfrei zu den Hotspots der Berlinale. Sie teilten sich dabei die Fahrt immer mit anderen Nutzern, die eine ähnliche Route zurücklegen wollten, gesteuert und optimiert durch einen Algorithmus.

Dass die Kooperation mit Startups auch direkt zu neuartigen Produkten führen kann, zeigte Johann Jungwirth, Digitalchef von Volkswagen. Er stellte die fahrerlose Elektroauto-Studie „Sedric“ vor und erläuterte außerdem, wie intensiv der Konzern etwa in seinen drei Future Centern in Peking, San Francisco und Potsdam mit Startups an künftigen Fahrzeugkonzepten arbeitet. „Es kommt auch darauf an, die Innovationskraft und den Mut zu respektieren, der in den Startups steckt. Und ihnen auf Augenhöhe zu begegnen“, sagte Jungwirth.

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