Wie wir in Zukunft parken werden

Zeitaufwendig und umweltbelastend: Die Parkplatzsuche in der Stadt ist ein Problem. Dank Vernetzung und Automatisierung wird sich das bald ändern.

Unglaubliche 560 Millionen Stunden verbringen die Autofahrer in Deutschland jedes Jahr damit, einen freien Parkplatz zu suchen. Das ergab eine Studie im Auftrag des Verbands der Automobilindustrie (VDA). Die Parkplatzsuche strapaziert nicht nur die Nerven, sondern belastet auch die Umwelt. Würde es gelingen, sie effizienter zu gestalten, könnten laut der Studie, die das Wirtschaftsforschungsunternehmen Prognos durchgeführt hat, jährlich bis zu 125 Millionen Liter Benzin, 78 Millionen Liter Diesel sowie 500.000 Tonnen des Treibhausgases CO2 eingespart werden.

Die Zahlen zeigen, wie wichtig die Optimierung der Parkplatzsuche für Autofahrer und Umwelt ist. „Unsere Vision ist es, die Lebensqualität der Menschen zu verbessern, indem wir das Parken vereinfachen“, sagt Dr. Rolf Nicodemus, Leiter des Projekts Connected Parking bei Bosch. Das Unternehmen hat das Thema als „Pain Point“, als drängendes Kundenbedürfnis, erkannt – und steckt nun viel Zeit und Energie in die Lösung der Parkprobleme. Insgesamt rund 2.500 Ingenieure widmen sich aktuell bei Bosch dem automatisierten Fahren und Parken.

Das Ende der Suche

Das Ziel von Nicodemus und seinem Team: Spätestens 2020 soll wieder im Vordergrund stehen, worum es bei Mobilität eigentlich geht, nämlich das Bewegen von A nach B – und nicht die Suche nach freien Parklücken. „Sie werden in Zukunft an Ihrem Ziel aussteigen können und das Fahrzeug wird sich von allein einen Platz im Parkhaus suchen“, erläutert er. Um diese Vision Realität werden zu lassen, konzentriert sich Bosch sowohl auf die Automatisierung des Parkens als auch auf die Vernetzung der Autos untereinander sowie mit der Infrastruktur.

Das Unternehmen arbeitet an verschiedenen Anwendungen dieser Technologien. Eine davon ist das automatisierte Valet-Parking. „Wir verknüpfen dabei intelligente Infrastruktur im Parkhaus und intelligente Fahrzeuge“, sagt Nicodemus. Noch in diesem Jahrzehnt werde ein Pilotprojekt starten. Weiter sind die Entwickler mit dem sogenannten aktiven Parkraum-Management. Dabei werden Sensoren in der Mitte eines Parkplatzes installiert. Sie erkennen, ob er frei oder belegt ist und senden diese Informationen an die Bosch-Cloud, wo die Daten ausgewertet werden. Daraus entsteht eine Echtzeit-Parkkarte, die Autofahrer per Smartphone-App nutzen oder im Internet abrufen können.

Quelle: Bosch

Quelle: Bosch

In Stuttgart sind im Rahmen eines Politprojekts bereits 2.500 solcher Sensoren auf insgesamt 15 Park+Ride-Parkplätzen installiert. Über die App und die Webseite des Verkehrs- und Tarifverbunds Stuttgart (VVS) können Autofahrer künftig sehen, auf welchem Park+Ride-Parkplatz noch Stellplätze frei sind. Im Großraum Stuttgart testet Bosch gemeinsam mit Daimler eine weitere Lösung, die künftig Zeit und Nerven bei der Parkplatzsuche sparen soll: Beim sogenannten Community-based Parking werden Autos zur Parkplatz-Suchmaschine. Die im Fahrzeug verbauten Ultraschallsensoren scannen permanent den Straßenrand nach freien Lücken. Die gesammelten Daten werden dann ähnlich wie beim aktiven Parkraum-Management an die Bosch-Cloud geschickt und hier zu einer digitalen Parkplatzkarte weiterverarbeitet.

Die Macht der Daten

Woher aber weiß das Auto, ob es gerade an einem Parkplatz oder nur einer Ausfahrt vorbeigefahren ist? Diese Frage ist eine der zentralen technischen Herausforderungen für die Parplatzsuchfunktion. „2015 haben wir den entscheidenden Schritt in der Entwicklung gemacht“, sagt Nicodemus. „Wir nutzen heute Data Mining und spezielle Algorithmen, um die Daten zu analysieren und aufzubereiten.“ Erkennen beispielsweise mehrere Fahrzeuge an einer bestimmten Stelle immer wieder eine Lücke, die nie besetzt ist, handelt es sich wahrscheinlich um eine Ausfahrt.

Durch die Analyse der zusammengetragenen Daten lernt das System ständig dazu. Das heißt auch: Je mehr Autos sich vernetzen, desto aktueller und genauer sind die Parkplatzinformationen. Bosch verfolgt beim Community-based Parking daher einen so genannten Cross-OEM-Ansatz. Das heißt, verschiedene Fahrzeughersteller können auf die Datenverarbeitung zurückgreifen und dann entscheiden, wie sie die Daten für ihre Kunden aufbereiten.

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