Teilen, aber sicher: Wie Fahrzeugdaten für die Industrie nutzbar gemacht werden

Die in modernen Fahrzeugen generierten Daten besitzen ungeahntes Potential für Industrie und öffentliche Stellen: eine Herausforderung für den Datenschutz.

Digitalisierung, das „Internet der Dinge“ (Internet of Things – IoT) und Big Data sind Stichworte, die jedem täglich begegnen. Angesichts der jüngsten Vorgänge um Facebook stellt sich die Frage nach der Sicherheit persönlicher Daten. Welche Rolle werden Big Data, das IoT und die Digitalisierung im weiteren Sinne für die Mobilität der Zukunft spielen? Wie wirken sie sich auf die Autos aus, wie werden sie ein besseres Fahrerlebnis verschaffen und – allem voran – wie können die Nutzer sich und ihre Daten im Fahrzeug schützen?

Sechs logische Schnittstellen, über die moderne Fahrzeuge verfügen können. Dabei bietet die Schnittstelle zwischen Fahrzeug und OEM-Server die Grundlage für das Konzept  „NEVADA-Share & Secure“.

Die digitale Reformation und die Neuerfindung von Mobilität

Digitalisierung, so heißt es von manchen Kritikern, ist ein Trend, den die deutsche Automobilindustrie angeblich jahrelang verschlafen hätte. Sieht man sich die Geschichte des Autos genauer an, wird allerdings deutlich, dass die Digitalisierung schon lange ein wichtiger Bestandteil der automobilen Entwicklung ist: Mobilität ist die Grundlage der modernen Gesellschaft und als maßgeblicher Bestandteil dieser ist das Auto seit seiner Erfindung durch Karl Benz 1885 mehrmals weiterentwickelt worden, um dem gestiegenen Bedürfnis nach Sicherheit, Effizienz und Komfort gerecht zu werden. Dabei entwickelte es sich in den ersten 100 Jahren seiner Geschichte eher analog, die digitale Revolution des Autos hat jedoch bereits vor 30 Jahren mit Erfindungen wie dem Tempomaten oder ABS begonnen und legt weiter an Geschwindigkeit zu. So haben digitale Technologien im Fahrzeug bereits jetzt Sicherheit, Effizienz und Komfort auf eine Weise verbessert, die sich selbst Experten vor Jahrzehnten sicher nicht hätten vorstellen können.

Die Einführung des automatisierten und fahrerlosen Fahrens wird das Automobil nun noch einmal auf eine ganz neue Stufe der Entwicklung heben. Damit gehen neue Möglichkeiten aber auch neue Herausforderungen einher. Dabei steht der immanente Anspruch an die Sicherheit des modernen Autos neben vielen weiteren – zum Teil widersprüchlichen – Anforderungen für die Automobilindustrie nicht zur Debatte, denn im Falle einer Sicherheitslücke könnten nicht nur der/die Fahrer/in oder Insassen eines Fahrzeugs, sondern auch andere am Straßenverkehr beteiligte Personen betroffen sein. Die Suche nach weiteren Verbesserungen der Verkehrssicherheit ist der Hauptantrieb für die Einführung automatisierter Fahrzeugsysteme. Um diese Sicherheitsverbesserung zu erreichen, wird die aktuelle Abhängigkeit vom Fahrer reduziert und schrittweise ersetzt.

Das Konzept „NEVADA-Share & Secure“. Eine sichere Schnittstelle wird etabliert, um die im Fahrzeug generierten Daten für alle Interessenten nutzbar zu machen.

Wer darf welche Daten nutzen?

Um verschiedene Funktionalitäten nutzen zu können, generieren Fahrzeuge Daten. Eine begrenzte Anzahl dieser Fahrzeuge ist bereits vernetzt und kann die Daten aus der Ferne bereitstellen; die derzeit verfügbaren Datentypen sind jedoch noch begrenzt. Nimmt die Komplexität des Fahrzeugs zu, werden mehr Datentypen verfügbar sein. Nur: Wie können die Autofahrer über die Verwendung ihrer Daten entscheiden? Wer erlangt Zugriff auf diese und wofür werden sie genutzt?

Die in den Fahrzeugen generierten Daten können vielfältig sowohl für gesellschaftliche als auch kommerzielle Zwecke genutzt werden. Da Daten zu einem wertvollen Gut geworden sind und die Grundlage für viele innovative Anwendungen und Dienste bilden, ist es wichtig, dass fahrzeuggenerierte Daten verfügbar gemacht werden, um die Entwicklung neuer Services zu ermöglichen. Hierfür muss das Fahrzeug vernetzt sein und das birgt Risiken durch Hackerangriffe. Daher gilt: Autos werden auch zukünftig keine direkte Verbindung zum Internet haben, um das Risiko durch Hackerangriffe möglichst gering zu halten. Die Nutzung eines Dongles kann beispielsweise ein hohes Sicherheitsrisiko durch eine nicht adäquat gesicherte Verbindung des Dongles zu einem Drahtlosnetzwerk bedeuten.

Um Insassen und Fahrzeug zu schützen und gleichzeitig die vom Auto generierten Daten diskriminierungsfrei zur Verfügung zu stellen, hat der VDA ein Konzept namens „NEVADA-Share & Secure“* entwickelt. Das Konzept wird ermöglichen, dass Fahrzeugdaten von unabhängigen Anbietern für die Entwicklung neuer innovativer Apps und Services verwendet werden können, wodurch der Wettbewerb und die den Nutzern zur Verfügung stehenden Wahlmöglichkeiten gestärkt werden. Dadurch können die Fahrzeughersteller den Datenschutz für Fahrer und Nutzer sicherstellen, sodass sie selbst bestimmen können, wer die vom Fahrzeug erzeugten personenbezogenen Daten zu welchem Zweck verwenden darf. Vor allem wird es eine Verteidigungslinie für ein vernetztes Fahrzeug gegen Hackerangriffe schaffen. Eine Kombination der durch das NEVADA-Konzept geschaffenen Sicherheitssphäre mit zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen im Fahrzeug bietet den effektivsten und nachhaltigsten Ansatz zum Schutz der Integrität des vernetzten Autos und der Sicherheit des Fahrers.

 

 

*„NEVADA-Share & Secure“ ist der Name des erwähnten Konzepts für den Zugang zum Fahrzeug und zu im Fahrzeug generierten Daten. „NEVADA“ (Neutral Extended Vehicle for Advanced Data Access) beschreibt dessen technische Implementierung.

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