Home, Smart Home!

Autos sollen nicht nur miteinander kommunizieren können, sondern auch mit dem Zuhause. Hersteller präsentieren intelligente Systeme, Fahrzeuge mit Gebäuden zu verknüpfen. Sie dienen dem Komfort und der Sicherheit.

Pendeln kann so bequem sein. Alle Türen und Fenster geschlossen? Alarmanlage und Rauchmelder eingeschaltet? Heizung gedrosselt? Während das Auto Richtung Büro rollt, kann der Fahrer über eine App im Wagen kontrollieren, ob zu Hause alles in Ordnung ist und bei Bedarf nachjustieren. Dann wird der abstrakte Begriff vom „Internet der Dinge“ ganz konkret.

Künftig wird das Eigenheim zum Smart Home, und das Auto zur Schaltzentrale. Mercedes und die amerikanische Google-Tochter Nest Labs präsentierten als einer der ersten Anbieter ein serienreifes System für die Verknüpfung von Pkw und Haus. Dabei wird ein spezielles Heizungsthermostat von einer App im Fahrzeug gesteuert. Sie wurde schon in die Bordelektronik einiger Mercedes-Modelle in den USA integriert.

Bosch hat die Smart-Home-Anwendungen zwischenzeitlich auf zwei weitere Einsatzbereiche ausgeweitet: neben Heizung/Klima auf die Themen Licht und Sicherheit; letzteres umfasst unter anderem die Steuerung von Alarmanlagen und Jalousien. Der Zulieferer gründete dafür eine eigene Tochtergesellschaft. „Unser Ziel ist es, ein komplettes Smart Home abzubilden. Dabei schauen wir aus der Perspektive des Nutzers“, sagt Dr. Peter Schnaebele, Geschäftsführer der Bosch Smart Home GmbH. „Wir liefern eine spezielle App, die auch im Wagen zu bedienen ist, ohne dass der Fahrer abgelenkt wird.

Küchenassistent überprüft den Kühlschrank

Ständig werden die Anwendungen weiterentwickelt, kommen neue Player hinzu. Auf der CeBIT in diesem Jahr präsentierte BMW gemeinsam mit der Telekom zwei weitere Apps für das Smart-Home-System Qivicon, die ebenfalls direkt in das Betriebssystem des Münchner Autobauers ConnectedDrive integriert und über das Fahrzeugdisplay zu bedienen sind. Auch VW zeigte zuletzt die Vernetzung des Autos über das Mobilfunknetz mit der Qivicon-Basis zu Hause; die Funktionen können im VW Golf auch ortsbasiert aktiviert werden. So ist es denkbar, dass sich die Alarmanlage dann einschaltet, wenn sich das Auto mehr als fünf Kilometer von zu Hause entfernt. Im Gegenzug wird beim Einbiegen auf die Auffahrt automatisch das Garagentor geöffnet. Auch andere Automobilhersteller bieten Smart-Home-Lösungen an, die jedoch bisher nur über Smartphone-Apps bedienbar und deswegen noch nicht straßengerecht sind.

„Die vollvernetzte und autonome Autozukunft verspricht viele Innovationen, die den Fahrer zunehmend entlasten werden“, sagt Mobilitätsforscher Prof. Dr. Stephan Rammler von der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig. „Im autonomen Fahrmodus kann man auch für den Feierabend planen. Dabei macht ein Küchenassistent Rezeptvorschläge und überprüft im Smart-Home, ob die hierfür nötigen Zutaten im Kühlschrank vorhanden sind. Diese Anwendungsmöglichkeiten werden unser Leben vereinfachen.“

Viele Geschäftsmodelle von Smart Home sind mit Energieeffizienz verbunden. Die Beratungsfirma Prognos geht davon aus, dass der Weltenergiebedarf bis zum Jahr 2030 um 60 Prozent steigen wird. Die Automobilhersteller wollen das Wachstumspotenzial nutzen und gleichzeitig ihre Expertise auf dem Gebiet der Elektromobilität stärken.

Vision des „Vehicle-to-Grid“

Die Daimler AG bietet zum Beispiel über ihre Tochterfirma Accumotive stationäre Akkus für die häusliche Nutzung an. Solarstrom- bzw. Energiespeicher mit acht Batteriemodulen lassen sich zu einem Paket mit einer Kapazität von insgesamt 20 kWh so kombinieren, dass Haushalte mit eigenen Photovoltaikanlagen den überschüssigen Solarstrom speichern können. Dabei erreicht der Energiespeicher nach Herstellerangaben 4000 Vollzyklen; zudem werde ein Systemwirkungsgrad von mehr als 97 Prozent erzielt.

Ein andere Variante ist die Einspeisung der vom Elektroauto gespeicherten Energie ins öffentliche Stromnetz. Das heißt, dass Fahrzeuge nicht nur Strom aus dem Netz entnehmen, sondern als Teil eines intelligenten Energiesystems in Zeiten großer Netzlast auch wieder Strom über spezielle Ladestationen in das Netz einspeisen. Die sogenannte Vehicle-to-Grid-Technologie soll dazu beitragen, den Verkehrssektor zu dekarboniseren und könnte eine Einnahmequelle für Energieversorger und Besitzer von Elektroautos sein.

Die Smart-Home-Wendungen werden weiter ausgebaut, die Vernetzung kennt kaum Grenzen. So ist es denkbar, dass Nachrichten wie die Information über den an der Tür klingelnden Postboten den Fahrer unterwegs erreichen. Und wenn die intelligente Navigation im Auto bemerkt, dass das Auto auf dem Heimweg ist, kann automatisch über eine Smart-Home-Anwendung die Temperatur im Wohnzimmer erhöht werden. „Das ist keine Zukunftsmusik“, sagt Bosch-Geschäftsführer Schnaebele, „daran arbeiten wir, das wird kurzfristig kommen.“

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