Das selbstfahrende Auto – schon bald Realität?

BMW VISION NEXT 100

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BMW

Bereits 2021 will BMW ein vollständig selbstfahrendes Auto auf den Markt bringen. Der „iNEXT“ soll nicht nur auf Autobahnen fahren, sondern auch in Städten – während sich der Fahrer mit anderen Dingen beschäftigen kann. Wir sprachen mit Elmar Frickenstein, bei BMW verantwortlich für die Entwicklung des autonomen Fahrens.

Herr Frickenstein, bis 2021 ein autonom fahrendes Auto in Serie bauen – das klingt ehrgeizig.

Natürlich, das ist es. Der BMW iNEXT wird automatisiertes Fahren vereinen mit der digitalen Vernetzung, mit Elektromobilität und zukunftsweisendem Design. Wir wollen damit das hochautomatisierte Fahren in das urbane Umfeld bringen. Die automatisierte Mobilität wird ein neues Zeitalter der Automobilindustrie einläuten.

Wie weit sind Sie denn?

Wir werden oft gefragt: Wann fahren wir autonom? Die Antwort lautet: Wir können es schon. 2006 hat ein BMW den Hockenheimring autonom umrundet. 2011 fuhr eines unserer Autos ohne Eingriffe auf der Autobahn 9 von München nach Nürnberg. 2014 haben wir einen M235i-Prototyp im fahrdynamischen Grenzbereich driften lassen. Heute parken der BMW i3 und der 7er selbstständig ein und Prototypen meistern Autobahnkreuze und Spurwechsel.

Und wo gibt es noch Probleme?

Mit der Digitalisierung und Automatisierung steht die Automobilindustrie vor der größten Herausforderung ihrer Geschichte. Wir entwickeln die Stufen der Teilautomatisierung weiter – nur so können wir autonomes Fahren erreichen. Abwarten müssen wir die Entwicklung der rechtlichen und versicherungstechnischen Rahmenbedingungen. Wir führen Gespräche mit Behörden und Regierungen und rechnen bald mit Lösungen. Und wir sollten uns Zeit für den gesellschaftlichen Dialog nehmen.

Es geht ja darum, die Kontrolle abzugeben – warum sollten Autofahrer das wollen?

Das alles kommt ja nicht wie der Urknall. Es wird viele Zwischenschritte geben. Fahrerassistenzsysteme arbeiten heute so souverän, dass man nach wenigen Minuten Vertrauen hat. Autofahrer wünschen sich Entlastung in monotonen Situationen: im Stau, an Ampeln, in zähfließendem Verkehr. Und wenn Sie wollen, schalten Sie das System einfach ab und fahren selbst, so wie jetzt auch.

Quelle: BMW

Quelle: BMW

Wie wollen Sie bei alldem die Sicherheit garantieren?

Das System erzeugt ein Abbild des Verkehrsgeschehens, kalkuliert Gefahren und leitet sicher durch den Verkehr. In jede Richtung nutzt es mindestens zwei unterschiedliche Messprinzipien bspw. Laser und Radar oder Laser und Kamera, um eventuelle Schwächen eines Sensors auszugleichen. Wichtige Informationen sieht der Fahrer auf einer Karte. Zudem wird Schwarmintelligenz ausgewertet: Alle BMWs übermitteln seit Jahren Verkehrsdaten, wenn der Kunde einverstanden ist. Über sechs Millionen Fahrzeuge sind schon vernetzt. Und alle Komponenten werden mit Security-Algorithmen gesichert.

Sie kooperieren mit Intel und dem Kameratechnik-Spezialisten Mobileye. Wie wichtig ist das für Sie?

Wir müssen noch intensiver mit der IT-Industrie kooperieren, mit Halbleiterherstellern und der Consumer-Electronics-Industrie. Für hochpräzise Karten mit Daten in Echtzeit haben wir mit Partnern den Marktführer HERE übernommen. Das Know-how von Intel und Mobileye ist unabdingbar für technische Lösungen, die erlauben, die Hände vom Lenkrad zu nehmen – und bald die Augen abzuwenden.

Welche Technologien braucht autonomes Fahren noch?

Der Austausch mit Verkehrssystemen und anderen Autos erzeugt ein riesiges Datenvolumen. Künstliche Intelligenz, das „Machine Learning“, lässt das Auto mit jedem Kilometer lernen. Das verlangt Spitzentechnologie, bei Funknetzen, Prozessoren und Software. Wir brauchen eine neue, viel leistungsfähigere Chipgeneration, und für eine stabile und schnelle Konnektivität einen 5G-Mobilfunkstandard.

Elmar Frickenstein ist Bereichsleiter für vollautomatisiertes Fahren und Fahrerassistenz bei BMW.

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