Automatisierung: Evolution statt Revolution

Source: Daimler

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Apple soll ein Auto planen, Google Cars fahren täglich hunderte Kilometer über die Straßen Kaliforniens. Werden die deutschen Hersteller in Sachen Autonomes Fahren abgehängt?

Selbstfahrende Autos sind ein schönes Versprechen: Statt Zeit und Nerven zu strapazieren, wird man zum Passagier im eigenen Fahrzeug. Immerhin verbringen die Deutschen im Schnitt ganze zweieinhalb Jahre ihres Lebens hinter dem Lenkrad. Selbstfahrende Autos machen das Fahren jedoch nicht nur komfortabler, sondern auch sicherer und effizienter. Wann also wird es endlich soweit sein?

Trotz aller Faszination für Autos, die vollautomatisch und ohne Eingriffe des Fahrers unterwegs sind, und auch, wenn mancher es kaum abwarten kann – Sicherheit geht vor Schnelligkeit. Derzeit können Fahrzeuge bereits sicher automatisch einparken und die Spur halten. Bei allen heutigen Modellen muss der Fahrer aber jederzeit die Kontrolle über sein Fahrzeug haben. Einen „Autopiloten“ gibt es momentan noch nicht. Bevor sich das ändern kann, müssen wir mit größter Sorgfalt und Schritt für Schritt daran arbeiten, dass vollständig autonomes Fahren wirklich sicher wird.

In den kommenden Jahren wird die deutsche Automobilindustrie weitere Millionen investieren, damit das vollständig vernetzte und autonom fahrende Auto Realität wird. Denn wir sind sicher, dass unsere Autos in Zukunft auch ohne ständige Kontrolle durch die Fahrer unterwegs sein werden. Im Jahr 2025 könnten die ersten vollautomatisierten Fahrzeuge deutscher Hersteller auf die Straßen kommen.

Evolution statt Revolution

Der Weg, den die deutsche Automobilindustrie eingeschlagen hat, folgt dem Leitgedanken Evolution statt Revolution: Wir setzen auf die schrittweise Weiterentwicklung von Fahrassistenzsystemen. Zum einen können sich die Kunden so allmählich daran gewöhnen, die Kontrolle über das Auto zumindest teilweise abzugeben. Zum anderen können wir so sicherstellen, dass die Technik absolut sicher und verlässlich ist.

In der Entwicklung zum fahrerlosen Auto befinden wir uns an einem spannenden Punkt: Dem Übergang vom teil- zum hochautomatisierten Fahren. Fahrassistenzsysteme können die Fahrer heute schon in vielen Situationen entlasten. Sie warnen nicht nur, sie können auch lenken, bremsen, einparken und ausweichen: Aktive Spurhalteassistenten verhindern ein Abkommen von der Fahrbahn, Notbremsassistenten bringen das Fahrzeug zum Stehen, wenn der Fahrer nicht eingreift, und aktive Spurwechselassistenten können selbständig überholen. Auch in Parklücken können sich Autos heute bereits automatisch hineinmanövrieren. Kameras, Radarsysteme, Laserscanner und Ultraschallsensoren ermöglichen diese Funktionen.

Nummer eins bei intelligenten Innovationen

Bei den Fahrassistenzsystemen ist die deutsche Automobilindustrie dank ihrer Innovationen Vorreiter: Laut dem vierteljährlichen Index „Automatisierte Fahrzeuge“ der Unternehmensberatung Roland Berger sind deutsche Hersteller beim technologischen Entwicklungsstand der Fahrzeuge weltweit Nummer eins, weil bereits in vielen Serienmodellen automatisierte Fahrfunktionen vorhanden sind.

Und unsere Entwicklungsabteilungen arbeiten bereits am nächsten Schritt: dem vollautomatisierten Fahren. Erste Modelle können schon heute in bestimmten Situationen gleichzeitig lenken und beschleunigen und so zum Beispiel automatisiert durch Staus oder Baustellen fahren – ohne dass der Fahrer eingreifen muss. Ende dieses Jahrzehnts wird das auch bei freier Fahrt auf der Autobahn möglich sein und im Laufe des nächsten Jahrzehnts auch in komplexeren Situationen wie dem Stadtverkehr. Erst, wenn das Fahrzeug alle Situationen vollständig automatisiert meistern kann, wird das fahrerlose Fahren erreicht sein.

Wann genau es soweit ist, lässt sich noch nicht mit Sicherheit sagen. Derzeit haben die Sensoren und Radarsysteme zum Beispiel noch Probleme, auch bei Regen oder Schnee zuverlässig die Umgebung zu erkennen. Außerdem ist eine präzise und aktuelle Kartenerstellung nötig. Deshalb haben die deutschen Autobauer Audi, BMW und Daimler gemeinsam den leistungsfähigen Kartendienst „Nokia here“ gekauft, der künftig in vier von fünf Autos in Europa im Einsatz sein wird. Doch auch diese Herausforderungen werden wir meistern – um die Mobilität von morgen von der Zukunft in die Gegenwart zu holen.

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