Bye-bye Asphalt-Cowboy – hallo fahrende IT-Fachkraft

Mercedes-Benz Actros, FleetBoard

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Der Güterverkehr steht vor einschneidenden Veränderungen: Digitalisierung und Automatisierung treiben die Entwicklung autonom fahrender Lkw voran. Weil im ohnehin schon überlasteten Straßenverkehr immer mehr Güter und Personen transportiert werden müssen, bedarf es neuer logistischer und infrastruktureller Lösungen. Und dabei verändert sich auch der Beruf des Lastkraftwagenfahrers.

Ein harter Kerl mit weichem Kern, der auch auf engen Bergstraßen einen kühlen Kopf bewahrt und geduldig jeden Stau aussitzt: Den Lastkraftwagenfahrer umwehte als Asphalt-Cowboy lange Zeit ein Hauch von Freiheit, Bodenständigkeit und Abenteuer. Doch es gibt sie immer seltener –  die „Helden der Landstraße“. Der Nachwuchs bleibt aus. Laut ADAC stehen jedes Jahr 50.000 altersbedingt ausscheidenden Berufskraftfahrern nur 10.000 Berufsanfänger gegenüber. Momentan fehlen nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit in Deutschland 45.000 Lkw-Fahrer, Tendenz steigend. Dabei ist der Bedarf an Fahrern weiterhin groß, denn der Online-Handel boomt.

Der Job des Lkw-Fahrers begeistert heute weitaus weniger Berufsanfänger als früher. Digitalisierung und Vernetzung im Transportsektorkönnten das Jobprofil aber bald wieder attraktiver machen, denn sie schaffenneue Möglichkeiten und Einsatzfelder für denLastkraftwagenfahrer. Schon heute unterstützen intelligente Sicherheitssysteme wie der abstandsgeregelte Tempomat ACC (Adaptive Cruise Control) von MAN den Fahrzeuglenker im Alltag. Zähfließender Berufsverkehr, alltäglicher Stau oder stockend dahinschleichende Fahrzeugkolonnen – diese klassischen, extrem fordernden Fahrsituationen werden durch die im ACC integrierte Stop-and-go-Funktion entschärft.

Mercedes-Benz Actros, Interieur, Komfort

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Neue Aufgaben, neues Image?

Die Entwicklung geht noch weiter: Auf der IAA Nutzfahrzeuge 2018 wurde mit dem Mercedes Actros die neueste Generation voll vernetzter Trucks vorgestellt. Der Lastkraftwagen von morgen wird intelligenter und bequemer. Denn teilautomatisiertes Fahren, Mirror Cams statt Außenspiegel und ein interaktives Multimedia-Cockpit sorgen für mehr Sicherheit und Komfort. Aber reicht das aus, um neue Begeisterung für den heute problematischen „Platz auf dem Bock“ zu wecken? Ist der menschliche Trucker überhaupt noch notwendig, wenn der Computer das Steuer übernimmt?

Ja und nein. So wie sich die Truck-Kanzel zur Mensch-Maschine-Schnittstelle (Human Machine Interface – HMI) entwickelt, wandelt sich der Lkw-Fahrer zur modernen Logistikfachkraft im digitalen Truck. Das heißt für die Zukunft des Jobprofils: Der Fahrer kann während der autonomen Fahrt bequem Büro- und Planungsaufgaben erledigen und das autonom fahrende System überwachen. Ähnlich wie im Luftfahrtsektor. Der Fahrer bereitet als Cargo-Manager den Transport vor, belädt den Transporter, überwacht Abfahrt und Ankunft und löscht schließlich die Ladung. Aktiv in den Transportprozess involviert ist der „Pilot“ vor und nach Fahrtbeginn sowie auf der letzten Meile. Oder im Notfall.

Eine Herausforderung bei HMI-Systemen ist für die Hersteller die intuitive Bedienbarkeit. „Der Fahrer möchte ein einfaches System, keine komplexe Maschine, in die man sich erst einlesen muss“, sagt HMI-Designerin Annelie Schanz. Deshalb greift man beim Interface-Design auf bereits etablierte und bekannte Konzepte von Tablets oder Smartphones zurück. „Der Fahrerarbeitsplatz wird sich sukzessive zum Büroarbeitsplatz mit Lounge-Atmosphäre wandeln und bekommt eine digitale Seele“, prophezeit Oliver Stick, Exterieur- und Interieur-Designer für Mercedes-Benz Lkw.

Komfort ist im Fernverkehr inzwischen serienmäßig

Schon jetzt verbinden aktuelle Fahrerhäuser die Vorzüge eines modernen Arbeitsplatzes mit attraktivem Raum- und Wohngefühl. So bietet der Mercedes Actros mehr Bewegungsfreiheit und Stauraum in funktionalem Zusammenspiel. Die klare Trennung von Arbeitsplatz und Wohnraum steht im Mittelpunkt der insgesamt elf angebotenen Fahrerhaus-Varianten. Intuitive und ergonomische Bedienoberflächen gewährleisten in MAN Cockpits effizientes und bequemes Arbeiten – bei gleichzeitig mehr Komfort im Schlafbereich.

Der Trucker als planende und überwachende IT-Fachkraft im autonomen Hightech-Gefährt – dieser neue Aufgabenschwerpunkt soll zu einem Imagegewinn und neuem Interesse für den Beruf des Kraftfahrers führen. Ob sich dann in der voll vernetzten Fahrerkabine erneut der Hauch von Freiheit und Verwegenheit früherer Tage einstellt, wird die Zukunft zeigen.

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