„Wir werden das Parken revolutionieren“

161104_MVM_Dialogreihe_2_Bild

Im Rahmen der Initiative „Mobilität von morgen“ diskutierten der Bosch-Chef Dr. Volkmar Denner und der Autoexperte Prof. Dr. Stefan Bratzel über neue Geschäftsmodelle und die Zukunft des Antriebsstrangs.

Die Mobilität verändert sich rasant – und die deutsche Automobilindustrie ist fest entschlossen, bei diesem Wandel ganz vorn mit dabei zu sein. Das wurde deutlich auf der zweiten Veranstaltung der Dialogreihe der Initiative „Mobilität von morgen“. Dr. Volkmar Denner, Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH und Prof. Dr. Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management (CAM) diskutierten, mit welcher Strategie die deutschen Hersteller und Zulieferer die Herausforderungen der Zukunft meistern können.

Wie groß diese Herausforderungen sind, machte bereits die Wortwahl deutlich: Von Disruption, Revolution und Tipping-Point war die Rede. Umso interessanter war zu hören, welchen Weg Bosch auf dem Weg in die Mobilität von morgen beschreitet. Das Unternehmen habe ein „riesiges Innovationspotenzial“ und sei „einer der großen Hoffnungsträger“ bei den Themen alternative Antriebe, Automatisierung und Digitalisierung, sagte VDA-Präsident Matthias Wissmann zur Eröffnung der Veranstaltung.

In seinem Impulsreferat gab Bosch-Chef Volkmar Denner Einblicke, wie das Unternehmen den Verkehr der Zukunft mitgestalten will. „Wer heute unterwegs ist, verbringt viel zu viel Zeit damit, im Stau zu stehen, auf öffentliche Verkehrsmittel zu warten oder einen Parkplatz zu suchen“, sagte Denner. „Diese Probleme werden wir bei Bosch adressieren.“ Zum einen entwickle man Lösungen für intermodale Verkehrskonzepte, um das Reisen bequemer, sicherer und stressfreier zu machen. Außerdem wolle Bosch das Parken revolutionieren.

Unter anderem arbeitet das Unternehmen am „Community based Parking“, bei dem Fahrzeuge Informationen über freie Parklücken sammeln und über die Cloud mit anderen Nutzern teilen. Ab 2017 soll dieser Service in den Markt gehen. Schließlich arbeitet Bosch daran, das Auto vom reinen Transportmittel zu einem persönlichen Assistenten zu transformieren. Dieser soll in Zukunft beispielsweise mit dem intelligent vernetzen Haus kommunizieren und so unter anderem vor der Heimkehr das Haus auf Wohlfühltemperatur bringen können.

„In Zukunft wird es immer stärker um Software und Dienstleistung gehen“, sagte auch Autoexperte Stefan Bratzel im zweiten Impulsvortrag des Abends. Die Disruption habe Einfluss auf das bisherige Geschäftsmodell der Automobilindustrie. Zwar hätten die deutschen Hersteller und Zulieferer eine hohe Innovationskraft im Bereich vernetzte Fahrzeuge. Aber die softwareorientierten Unternehmen wie Tesla oder Google würden schnell aufholen. „Die zentrale Frage ist, wie es die deutschen Automobilunternehmen künftig schaffen, über eigene Dienstleistungen die Schnittstelle zum Kunden zu kontrollieren.“ Dazu müssten sie sich auch organisatorisch neu aufstellen, riet der Autoexperte.

Neben der Digitalisierung war die Zukunft des Antriebs das zweite bestimmende Thema des Abends. Stefan Bratzel bewertete die Debatte um erhöhte Abgaswerte als Anstoß, der zum Tipping-Point für die Elektromobilität werden könne. „Wir erleben gerade selbstverstärkende Effekte. Ich bin lange davon ausgegangen, dass wir bis 2020 keine großen Sprünge auf diesem Gebiet erleben werden, aber auf dem Pariser Autosalon hat man gesehen, dass in Sachen Elektromobilität gerade sehr viel passiert.“ Volkmar Denner betonte, dass es vor allem darum gehe, die Batteriezellen effizienter zu machen, um die Reichweite und die Kosten zu verbessern. „Das ist ein Problem, das wir lösen müssen“, sagte er. Darum stecke Bosch rund 400 Millionen Euro pro Jahr in Forschung und Entwicklung rund um die Elektromobilität. Ein Ansatz, den man verfolgen müsse, seien darüber hinaus efuels, also synthetische Kraftstoffe auf Basis regenerativer Energie. Denn das Ziel sei klar: Die Mobilität von morgen müsse CO2-neutral sein.

In der anschließenden Diskussion mit Moderator Wulf Schmiese, Hauptstadtkorrespondent des ZDF, und dem Publikum wurden die Themen vertieft. Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management gab zu bedenken, ob es bei Forschung und Entwicklung nicht eine Re-Fokussierung der deutschen Automobilindustrie brauche. „Eine Parallelität darf nicht zur Verzettelung führen“, sagte er. Volkmar Denner von Bosch hielt dagegen, dass eine Transformation hin zur Elektromobilität nicht von heute auf morgen zu machen sei. Man brauche in der Fertigung neue Kompetenzen, neues Know-how, einen anderen Maschinenpark. „Solch ein Transformationsprozess braucht Zeit, auch wenn er mit hohem Engagement betrieben wird“, sagte er.

Einig waren sich Stefan Bratzel und Volkmar Denner, dass es eine gemeinsame Aufgabe sein müsse, Deutschland als Standort für Innovation zu fördern. Hier sei nicht zuletzt auch die Politik gefragt. „Wenn es um neue Technologien wie das autonome Fahren geht, muss der Bevölkerung durch positive Diskussionen ein stückweit die Angst genommen werden“, sagte Bratzel. Volkmar Denner ergänzte, dass sich schon bei der Nachwuchsförderung etwas ändern müsse: „Wir brauchen Lehrstühle für Geschäftsmodell-Innovationen. High-Tech bedeutet künftig nicht nur, dass Ingenieure hoch präzise Löcher bohren können. Vielmehr geht es auch darum, clevere Geschäftsmodelle zu entwickeln.“

Empfehlungen